Mit dem Bundesgesetz über die Digitalisierung im Notariat (DNG) und der Verordnung über die Erstellung elektronischer öffentlicher Urkunden und elektronischer Beglaubigungen (EÖBV) wird ein neuer Rechtsrahmen für elektronische Urkunden, digitale Signaturen und ein nationales elektronisches Urkundenregister geschaffen. Die neue Gesetzgebung schafft die Grundlage für die digitale Arbeitsweise in Notariaten und legt langfristig den Grundstein für digitale Dokumentenarchive im Notariat.
Um die Praxis bei dieser Umsetzung zu unterstützen, hat der Schweizerische Notarenverband (SNV) ein eigenes Programm lanciert. Es soll auf Basis der neuen Gesetzgebung Standards entwickeln, technische Vorgaben klären und Notariate auf dem Weg in das digitale Urkundenwesen begleiten.
Vor diesem Hintergrund haben wir mit Michael Ramseier, dem verantwortlichen Programmleiter des SNV, gesprochen. Er erläutert die Ziele des Programms, die Herausforderungen der Umsetzung und die Rolle der Kanzleisoftware als zentrales Element der zukünftigen digitalen Notariatspraxis.
Herr Michael Ramseier, welche konkreten Schritte unternimmt der SNV, um die Umsetzung des Bundesgesetzes über die Digitalisierung im Notariat voranzubringen?
Der SNV/FSN hat frühzeitig mit der Entwicklung einer Digitalisierungsstrategie begonnen. Parallel dazu wurde in Zusammenarbeit mit Vertreterinnen und Vertretern das Bundesgesetz über die Digitalisierung im Notariat (DNG) erarbeitet, das am 16. Juni 2023 vom Parlament verabschiedet wurde. Auf dieser Grundlage wurde das Programm zur Umsetzung der Digitalisierungsstrategie initiiert.
Was ist das Hauptziel des Programms, welcher derSchweizerische Notarenverband gestartet hat?
Das Programm zur Umsetzung der Digitalisierungsstrategie verfolgt das Ziel, die Digitalisierungsstrategie des SNV/FSN konsequent umzusetzen. Dabei wird sichergestellt, dass die Zusammenarbeit und die ganzheitliche Abstimmung mit dem Projekt zur Umsetzung der Gesetzgebung sowie dem Aufbau des elektronischen Urkundenregister gewährleistet sind.
Wie wird sichergestellt, dass kantonale Unterschiede berücksichtigt werden?
Das Programm zur Umsetzung der Digitalisierungsstrategie verfügt über zwei Projekte. In den Kernteams der Projekte wurden Vertreter aus den Domänen Notariat, Handelsregister -sowie Grundbuchämter ausgewählt. Weiter wurde ein Soundingboard mit weiteren Vertretern aus den Kantonen gebildet. Aktuell verfügen wir über eine Abdeckung von 22 Kantonen im gesamten Programm.
Wie wird sich die tägliche Arbeit der Notariate in den kommenden Jahren verändern - insbesondere im Umgang mit elektronischen Urkunden und Beglaubigungen?
Durch einen digitalen End-to-End-Prozess sollen die Erstellung, Überarbeitung und Übermittlung in das elektronische Urkundenregister deutlich effizienter gestaltet werden. Ebenso muss die Suche nach einer Urkunde im Register schnell und unkompliziert erfolgen können.
Wo sehen Sie die grössten Chancen und gleichzeitig die grössten Herausforderungen bei der praktischen Umsetzung?
Die grösste Chance liegt darin, dass Anbieter von Anwendungen und Plattformen den Fokus konsequent auf eine nutzerorientierte Gestaltung ihrer Lösungen legen, um eine herausragende Usability zu gewährleisten. Gleichzeitig stellt genau dieser Anspruch die grösste Herausforderung für das gesamte Ökosystem dar.
Wie können Notariate sicherstellen, dass sie rechtzeitig auf die neuen digitalen Prozesse vorbereitet sind?
Der Übergang zu digitalen Prozessschritten bis zur Beurkundung kann bereits jetzt initiiert werden.
Wie kann eine moderne Kanzleisoftware Notariate konkret unterstützen, die neuen gesetzlichen Vorgaben umzusetzen?
Der Datenaustausch zwischen den Notariaten und den Kunden sollte einfach und sicher erfolgen. Für die weiteren Prozessschritte ist ein elektronischer Datenaustausch mit den Übermittlungsplattformen sicherzustellen.
Das Gespräch hat gezeigt, dass die Digitalisierung im Notariat ein langfristiger Prozess ist, in dem rechtliche, organisatorische und technische Aspekte zusammenspielen. Wir danken Herrn Michael Ramseier für die spannenden Einblicke und das Gespräch.